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Sie ist Deutschlands erfolgreichste
Pornoautorin, kaum jemand schreibt so freizügig
wie sie. Von sich selbst gibt Sophie Andresky
nur ihr Geburtsjahr 1973 preis - und dass
sie mit ihrem Mann beruflich Sex hat. Im
Juni ist 'Honigmund' erschienen, ihr fünftes
Buch. Ein Gespräch über Lieblingswörter,
Leserwünsche und den Vorteil, als Frau
über Sex zu schreiben.
Brigitte.de:
Viele Ihrer Geschichten sind nach ein paar
Seiten fertig. Mögen die Leser keinen
langen Sex?
Sophie Andresky:
Aber meine Sexszenen sind doch lang! Ich
komme schließlich schnell zur Sache.
Im Leben mag das anders sein - aber Porno-Literatur
funktioniert so. Ich habe mal ein Buch gelesen,
da hat eine Studienrätin eine Autopanne,
ein Traktorfahrer hilft ihr, als Dankeschön
gibt sie sich ihm auf der Motorhaube hin.
Von mir aus. Aber nach der Sexszene kommen
seitenweise Rechtfertigungen! 'Du weißt
ja, ich bin Akademikerin, eigentlich mag
ich sensible Männer, aber das hier
war so animalisch, ich tu´s nie wieder.'
Dieses ganze Lamentieren! Grauenhaft.
Brigitte.de:
Sie haben kein Problem damit, Gebrauchsliteratur
zu schreiben?
Sophie Andresky:
Sowieso nicht. Der Verlag setzt alle Sexszenen
mit einem Absatz ab. Nicht weil das Design
dann schöner wäre. Sondern damit
man die Szenen schneller findet.
Brigitte.de:
In denen die Vorgänge recht drastisch
beim Namen genannt werden. Sie haben mal
gesagt: "Tierische Vorgänge schreien
nach einem tierischen Vokabular."
Sophie Andresky:
Ich war eine der ersten, die harte Frauen-Pornografie
geschrieben haben. Bis vor ein paar Jahren
gab es nur Männer-Pornografie, die
war direkt, aber auch stereotyp und deswegen
oft langweilig. Für Frauen gab es nur
diese Entdecke-deine-Klitoris-Geschichten.
Da waren dann Blütenkelche, die sich
öffneten, und Tau und bebende Luststäbe.
Und man wusste nie: Was passiert da eigentlich?
Ich wollte in diese Lücke schreiben
- harte, witzige Frauen-Pornografie.
Brigitte.de:
Sie schreiben aber auch aus Männersicht.
Zum Beispiel: "Dieser Körper war
dazu gemacht, gefickt zu werden. Von vorne
und von hinten, zwischen die Brüste
und die Pobacken, sogar in die Achselhöhlen
hätte er sie gerne gefickt."
Sophie Andresky:
Das ist von mir?
Brigitte.de:
Ja. Überrascht?
Sophie Andresky:
Nein. Das passiert mir so. Ich hab´
ja nicht alles unter Kontrolle.
Brigitte.de:
In der Geschichte träumt ein alter
Mann vom Sex mit einer Einbrecherin, die
gerade in sein Schlafzimmer eingestiegen
ist.
Sophie Andresky:
Ach genau. Die Einbrecherin lässt sich
scheinbar mit ihm ein, dann zockt sie ihn
ab, zusammen mit seiner Ehefrau. Sehen Sie,
die Männer kommen bei mir oft schlecht
weg. Meine Frauen haben ständig multiple
Orgasmen. Die Männer machen, was sie
wollen. Insofern sind das natürlich
Utopien.
Brigitte.de:
Ein Wort, das gar nicht geht?
Sophie Andresky:
'Titten' - ich mag das Wort einfach nicht.
Brigitte.de:
Aber 'Möse', 'Muschi' und 'Ficken' sind
in Ordnung?
Sophie Andresky:
Ja, absolut. Ich bin eine bekennende Verbalerotikerin.
Ich möchte diese Begriffe lesen. Ich
möchte sie hören, und ich möchte
sie sagen. Und deshalb schreibe ich das
so.
Brigitte.de:
Welche Technik eignet sich denn gut zum
Beschreiben?
Sophie Andresky:
Es eignen sich alle Sachen, bei denen viele
Sinne gleichzeitig eingesetzt werden. Mehr
als drei Personen sind erfahrungsgemäß
schwierig. Irgendwann weiß man nicht
mehr, welches Knie sich gerade in welchen
Rücken bohrt. Ich vertue mich schon
mal, und dann schreibt der Verlagslektor
an den Rand: Nee, geht nicht - der ist gerade
mit seinem Hintern ganz woanders! Ansonsten
gilt die Regel: Der gute Protagonist ist
bisexuell. Der hat mehr Möglichkeiten.
Brigitte.de:
Aber letztlich ist Sex doch die Wiederkehr
des Immergleichen. Das merkt man an Ihren
Büchern.
Sophie Andresky:
So viele Körperteile gibt es nicht.
Und so viele Wörter auch nicht. Die
Kunst ist, doch noch was anderes zu finden.
Die klassische Liebesgeschichte mag doch
niemand so oft lesen: Boy meets Girl, guter
Sex, fertig. Deswegen diese phantastischen
Szenarien. Der plötzliche Sex mit der
Barfrau. Oder mit der Einbrecherin. Vieles
geht auf eigene Erfahrungen und Phantasien
zurück!
Brigitte.de:
Eine Figur in Ihrem neuen Buch 'Honigmund'
heißt Sophia, ist Schriftstellerin und hat
einen Harem mit fünf Männern.
Sophie Andresky:
Den habe ich nicht. Leider. Es sind eher
so Kleinigkeiten. Ich versuche darauf zu
achten, wie es sich anfühlt, einen
Knopf aufzumachen. Oder wie sich ein Bauchnabel
anfühlt.
Brigitte.de:
Das ist ja furchtbar! Sie haben beruflich
Sex.
Sophie Andresky:
Es gibt Schlimmeres. Für meinen Mann
ist es kein hartes Schicksal, mit einer
Pornoautorin zusammen zu sein. In manchen
Situationen sage ich ihm: Ich weiß
nicht, ob du mit deiner Hand da rankommst,
wenn ich mich so und so bewege, aber wir
müssen das probieren. Und dann gibt
es die anderen Geschichten, die ich rational
entwerfe und dann überlege: Wo kann
der Sex rein? Ich habe da einen großen
Vorteil: Ich bin eine Frau. Wenn Sie ein
Mann sind und über harten Sex schreiben,
können Sie auf den Index kommen. Bei
Frauen ist es Emanzipation. Deshalb schreiben
manche Männer unter weiblichem Pseudonym.
Brigitte.de:
Sie als Frau können eher über
Analsex...
Sophie Andresky:
Analsex ist eh kein Problem! Eher Sachen,
die ein zynisches Menschenbild vermitteln.
Sex mit Tieren, Vergewaltigung und so weiter.
So etwas kommt bei mir nicht vor - wahrscheinlich
würde ich auch als Mann nicht auf den
Index kommen. Der Xaver in meinem Harem
zum Beispiel, der ist sehr jung. Dieses
Drängende, Frische. Aber es ist klar:
Xaver ist 18! Er fährt Auto an einer
Stelle. Bei mir wird auch immer eingetütet.
Sex ohne Kondom gibt´s nicht.
Brigitte.de:
Einmal wird uriniert.
Sophie Andresky:
Das ist das einzige Mal! Ich kriege bis
zu 100 Zuschriften pro Woche. Viele Leser
haben gefordert, dass mal gepinkelt wird.
Ich habe es extra hygienisch gemacht unter
der Dusche. Und damit die Frau nicht erniedrigt
wird, kommt sie vorher viermal zum Höhepunkt.
Brigitte.de:
Die Szene ist genau aufgeteilt: Pro Seite
ein Orgasmus.
Sophie Andresky:
Das habe ich nicht geplant. Ich selbst mache,
wenn ich Bücher kaufe, die Probe: Ich
schlage sie an fünf Stellen auf. Wenn
an diesen fünf Stellen kein Sex ist,
taugt das Buch nichts. Viele sind ganz schlecht.
Brigitte.de:
Dann muss man einen Porno gucken.
Sophie Andresky:
Wenn Sie ein visueller Typ sind, dürfen
Sie das gerne tun. Ich will lesen. Da hat
man die Sache im Kopf. Man vögelt selber
mit. Man denkt sich dazu, was man gerne
möchte. Es ist etwas sehr Intimes,
was ich mit den Lesern mache. Wir haben
mental Sex miteinander. Deshalb ist es für
mich wichtig, anonym zu bleiben und mich
mit den Lesern nicht zu treffen. Damit die
sich das so vorstellen können, wie
sie es gerne hätten. Einmal hat mir
jemand einen technischen Tipp für meine
Homepage gegeben, als Gegenleistung habe
ich ihn in mein Buch eingebaut, er verkauft
Massageöl. Wäre so etwas bei einem
Pornofilm möglich? Es werden nur diese
schönen Körper vorgeführt.
Aber man sieht trotzdem, dass Sex nicht
ästhetisch ist. Diese Nahaufnahmen! Da erkenne
ich nie, was es ist. Alles sieht so schmerzhaft
aus und anstrengend.
Brigitte.de:
Bei Ihnen ist alles ganz leicht und einfach.
Sophie Andresky:
Ich will keine Probleme! Ich bin eine Mundhure,
ich erzähle Geschichten, das ist mein
Job. Geschichten, die Frauen Spaß
machen sollen. Wo man am Ende zufrieden
ist, ein Kleenex nimmt, eine raucht, und
fertig. Auch nicht schlecht, oder? Das alte
Programm: make love, not war. Jemand, der
gut gefickt ist, macht nicht so viel Mist
wie andere. Gott, ich bin ganz rotbäckig
von diesem Gespräch.
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